Die Bayern-Story: eine Gläubigerversammlung kippt
Eine Gläubigerversammlung zu einer Bauträgerinsolvenz. Die Stimmung ist, gelinde gesagt, ausbaufähig – nachvollziehbar, denn die Käufer haben deutlich mehr eingezahlt, als sie an Bauleistung zurückbekommen haben. Der Saal ist voll, die Luft knistert. Einer der Käufer ergreift das Wort, holt sichtlich Anlauf zu einem Rundumschlag – auch gegen die Insolvenzverwaltung.
Statt zurückzuschießen, bleibe ich ruhig und greife seine eigene Formulierung auf: „Sie sehen es mir hoffentlich nach. Aber ich gebe Ihnen meine Antwort auf Fränkisch dazu.“ Ein kurzes Zögern. Dann ein Lächeln. Der ganze Raum atmet durch. Die Bauträgerinsolvenz ist danach genauso schwierig wie vorher – aber wir haben einen Einzahlungspunkt auf der Beziehungsebene gefunden. Und der macht den Unterschied, ob eine Verhandlung weitergeht oder eskaliert.
Warum Humor wirkt, wenn niemand etwas beweisen muss
Humor entsteht selten aus Druck, fast immer aus innerer Sicherheit. Drei Bedingungen begünstigen ihn: ein sicherer Rahmen, in dem sich niemand angegriffen fühlt; kognitive Weite, also keine Verengung durch Stress oder Zeitdruck; und ein prosozialer Fokus – der Beitrag ist für den Raum gedacht, nicht gegen jemanden.
Übertragen auf Führung heißt das: Ich trete dem Gespräch nicht instrumentell gegenüber. Ich muss nichts holen – keine Anerkennung, keine Dominanz, keinen gewonnenen Punkt. Ich kann geben: Klarheit, Leichtigkeit, Richtung. Aus dieser Haltung entstehen Humor, Respekt und Freundlichkeit fast automatisch. Wichtig dabei: Das ist keine Weichheit. Grenzen bleiben klar, nur die Haltung ist nicht defensiv.
Alternativen aus der Praxis
Nicht jede Situation braucht ein Gummi-Huhn auf dem Tisch – so drastisch muss das Werkzeug nicht sein. In meiner Praxis haben sich einfachere Varianten bewährt:
- Kurz rausgehen. Wenn die Gefühle hochkochen, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstführung. Zwei Minuten Pause, durchatmen, zurück in den Raum.
- Ein unerwarteter, menschlicher Satz. „Mir ist gerade aufgefallen, dass wir beide sehr angespannt sind. Was bräuchten Sie jetzt, damit wir weiterkommen?“ Das bricht den Automatismus, ohne jemanden anzugreifen.
- Die kleine Alltagsgeste. Auch außerhalb von Verhandlungssälen gilt: Eine freundliche, humorvolle Bemerkung im Smalltalk – an der Supermarktkasse, beim Bäcker, am Telefon – kippt eine Stimmung öfter, als man denkt. Es braucht dafür kein Seminar, nur einen Moment Achtsamkeit.
Das Prinzip ist immer dasselbe: Wenn die Temperatur im Raum steigt, ist jede weitere Aussage auf der Sachebene verbrannte Zeit. Was es braucht, ist ein Schalter, der die Beziehungsebene wieder öffnet.
Wo Humor endet und Klamauk beginnt
Humor in Verhandlungen ist kein Witzeln und schon gar kein Auslachen des Gegenübers. Es ist ein leichter, menschlicher Ton, der zeigt: Hier sitzt kein Roboter, hier sitzt ein Mensch. Genau das öffnet Türen – und genau deshalb funktioniert es besonders gut in Kombination mit klarer, respektvoller Kommunikation. Wie sich diese Haltung in der Gläubigerkommunikation insgesamt umsetzen lässt, beschreibe ich in meinem Beitrag zur Respekt als Verhandlungsstrategie.
Nur, wenn er sich gegen jemanden richtet. Humor, der die Situation entschärft statt jemanden vorzuführen, wird fast immer als Entlastung empfunden – auch von der Person, die gerade aufgebracht war.
Ja. Der Schlüssel ist innere Ruhe – aus Anspannung entsteht Humor nie, aus einem sicheren inneren Zustand fast von selbst. Das lässt sich trainieren.
Dann bleiben Sie beim zweiten Werkzeug: kurz aussprechen, was im Raum gerade spürbar ist. Auch das öffnet die Beziehungsebene wieder.